Tag 10 – Pilgerbrief

Øysand – Trondheim, 25 Km

Heute schrillt früh der Wecker, denn wir wollen besonders zeitig los. Dadurch, dass die Herberge Sundet Gard geschlossen ist, entfällt auch die Ruderpassage über die Gaula, was für uns heute rund vier zusätzliche Laufkilometer bedeutet. 

Wie versprochen regnet es bereits. Gelegenheit auch einmal die mitgeschleppte Regenhose einzusetzen. Ein Kaffee genügt und wir sind schon vor sieben Uhr auf der Straße und mitten drin im Berufsverkehr an der E6. Willkommen zurück in der Zivilisation, was uns nach langen Tagen in der Natur und kleinen Örtchen besonders merkwürdig erscheint. 

Zum Glück wenden wir uns bald von der Straße ab und laufen auf gewohnten Pfaden. Er regnet beständig und so bleibt allein eine Bushaltestelle für eine kurze trockene Rast auf über 20 Kilometern. Hier wäre ein wenig mehr Zivilisation in Form einer Restauration sehr erwünscht. 

Nur halbwegs, regenfest …
total regenfest …
Regenfan

Vorbei an Schafen, Kühen, Pferden und Fröschen, die deutlich weniger über das Wetter klagen, laufen wir weiter. Selbst der erste Blick auf Trondheim lässt kaum etwas erkennen. Aber wir treffen so nahe der Stadt viele Wanderer, die trotz des Regens vergnügt unterwegs sind. Das lässt uns vermuten, dass Regen hier nichts besonderes ist oder sogar Freizeitpläne davon durchkreuzt würden.

Irgendwo da unten muss Trondheim liegen.

Wir sind noch nicht ganz soweit und freuen uns, das Volksmuseum in Trondheim zu erreichen. Hier gibt es im Café Cappuccino, ein Stück Pizza und gemütlichen und warmen Aufenthalt. Nach rund einer Stunde begeben wir uns auf den wirklichen letzten Abschnitt dieses Weges. 

Juhu

Am Stadtrand stehen attraktive Wohnhäuser mit Fjordblick, denen farbige Holzhäuser mit Schnitzdekorationen ähnlich wie in Tallinn folgen. Und schon rauschen wieder Busse und Straßenbahnen an uns vorbei, die Menschen, meist jung und Studenten, tragen wieder Masken. Wir sind jetzt in der drittgrößten Stadt Norwegens und die Corona-Schutzmaßnahmen gelten wieder. 

Nur noch wenige Schritte.
Geschafft!

Obligat ist das Foto am 0-Kilometerstein vor der Kathedrale und der Besuch im Pilgerzentrum. Hier werden wir herzlich empfangen als 770er und 771ste Finisher des Jahres. (Die Popularität des Olavswegs ist in den letzten Jahren stetig gewachsen.  Zuletzt meldeten sich  vor der Pandemie rund Tausend hier.) Wir nehmen nebeneinander vor einem großen Schreibtisch Platz, was uns ein wenig an Standesamt erinnert. Unsere Pilgerpässe werden eingehen geprüft und würdevoll mit dem Nidaros-Stempel und dem goldenen Siegel gekrönt. (Dieses erlaubt uns kostenfreien Zugang zur Kathedrale.) Zu guter Letzt erhalten wir den offiziellen und sehr dekorativen Olavsbrief, der uns künftig als erfolgreiche Pilger ausweist. 

Wir sind schon ein wenig stolz und feiern abends unseren Erfolg gemeinsam mit Anne und Hallvard im sehr empfehlenswerten Den Gode Nabo, bevor wir dauerhaft auseinander gehen.

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